Elementare Musikpädagogik

Musikschule Hattingen (Foto: Susanne Troll)

Die Anforderungen für die elementare Musikpädagogik an den öffentlichen Musikschulen wachsen mit den vielgestaltigen Veränderungen des gesellschaftlichen Lebens. Neue Zielgruppen entstehen durch neue Bildungspartnerschaften. Diversität, Inklusion und interkulturelle Zusammenarbeit generieren die unterschiedlichsten Alters- und Gruppenstrukturen. Die fachübergreifende Zusammenarbeit an der Musikschule, wie zum Beispiel bei der Konzertvermittlung, bei Musiktheater oder Musical, beim Landesprogramm JeKits, beim Aufbau von Kinderbands u.a. fordert eine vielseitige künstlerisch-pädagogische Orientierung. 

Der Landesverband fördert und stärkt die Fachbereiche EMP an den Verbandsmusikschulen durch Vernetzung, Organisation von Fachtreffen, Arbeitsgruppen, Fortbildungen und Workshops zu aktuellen Themen aus der elementaren Musikpädagogik. Unterstützende Maßnahmen zu Kooperationen mit Kitas, insbesondere dem Konzept Kita und Musikschule (www.kita-und-musikschule.de), zu Kooperationen mit Grundschulen, insbesondere dem Konzept JeKits, und eine regelmäßige offene Sprechstunde sind weitere Angebote.

Der Arbeitsbereich Elementare Musikpädagogik ist Teil der Musikschuloffensive.

Kontakt:
Lotta Donner
Referentin für elementare Musikpädagogik und Kita-Kooperationen
lotta.donner@lvdm-nrw.de
Tel. 0151.74 47 77 67

AKTUELLE TERMINE

weitere Infos folgen in Kürze

Aktuelle Themen

Netzwerktreffen EMP- NRW am 2.6.2022 

Nach einem Warm-Up zu Beginn des Treffens brachten Fragen zu besonders schönen Erfahrungen im Arbeitsalltag, aber auch zu Schwierigkeiten in den diversen Arbeitsfeldern, zu besonderen Veranstaltungen vor den Sommerferien und Plänen für das neue Schuljahr die Menschen in Kontakt zueinander. Im weiteren Verlauf stellte Janika Löttgen/Musikschule Haan e.V. ihr Jazz -Kinderliederbuch und das 2015 erschiene Buch „Musik erfinden mit Kindern“ von Rainer Kotzian vor. Anhand von kleinen Beispielen und Dokumentationen erläuterte sie den Einsatz der Lieder und Themenfelder ihres Jazz- Kinderliederbuches in der EMP (siehe Materialanhang).  Im September 22 wird ein Workshop zum Jazz- Kinderliederbuch mit Janika Löttgen in Wuppertal stattfinden. Nach einer kurzen inhaltlichen Vorstellung des Buches „Musik erfinden mit Kindern“ leitete Janika ein Praxisbeispiel daraus an: Die Teilnehmerinnen, die vorab ein Rhythmusinstrument bereitgelegt hatten, musizierten gemeinsam zu verschiedenen Möglichkeiten mit bunten Bechern als Vorlage zur Improvisation.

In Verbindung mit dem EMP-Lehrkräftemangel werden zurzeit verschiedenste Maßnahmen diskutiert, wie junge Menschen für die EMP gewonnen werden können. Eine Idee ist, ältere Kinder und Jugendliche mit bestimmten Angeboten und Projekten für die Arbeitsweise und Vielseitigkeit der EMP zu begeistern. Aus der Runde berichteten drei Teilnehmerinnen von Angeboten:

Musikpodcast mit 10-13 Jährigen

An vier Projekttagen wurden verschiedene Themen bearbeitet:

  • Lieblingsmusik
  • Musik machen
  • klassische Musik

Die Jugendlichen tastenten sich über Bewegung und Musikhören an die Themen heran. Auch Musikerleben in Sprache zu fassen, eine wesentliche Voraussetzung für den Podcast, war ein wesentlicher Bestandteil. Bewegungsangebote wurden zunächst abgelehnt, nach und nach aber gut angenommen, nachdem klargestellt wurde, dass es keine Gelingensbedingungen gab.

Opernprojekt mit einem Kammerorchester

Projekt in einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung mit älteren Jugendlichen

In die Aufführung des Kammerorchesters, das in der Schule zu Gast war wurden Schüler:innen mit verschiedenen Beiträgen einbezogen:

  • Stocktanz, bei dem die Stöcke auch als Instrumente eingesetzt wurden
  • Geistertanz mit Tüchern
  • Stimm/ Gesangsarbeit und Besuch einer Opernsängerin

sich aufgrund ihrer sozial-emotionalen Entwicklungsverzögerung konnten Die Jugendlichen gut auf die spielerische Herangehensweise der EMP einlassen

Brass Band / Musiktheater-Projekt

Ziel war es mit Kindern im Alter zwischen 8-11 Jahren in einem gemeinsamen Band/Musiktheater-Projekt die Instrumente der Brass -Band anderen Kindern und Jugendlichen nahe zu bringen.

Die Geschichte wurde mit den Teilnehmenden gemeinsam geschrieben, Songs und Stück partizipativ mit den Kindern entwickelt.

Archiv:

Netzwerktreffen EMP-NRW 16.02.2022

Netzwerkbericht_Das Netzwerk steht_04.11.2021

 

 


Musikschule Hattingen (Foto: Susanne Troll)

Fachleitungstreffen EMP am 19. Oktober 2022

Im Mittelpunkt des Austausches standen drei Themen:
Auswertung zum EMP-Fachkräftemangel und Best-Practice-Maßnahmen in den EMP-Fachbereichen.
Die Verrentung in den nächsten 5 Jahren führt zu einer auf 160 Musikschulen hochgerechnete Vakanz von 110Vollzeit(!)-Stellen. In den nächsten 10 Jahren werden 457 Lehrkräfte regulär verrentet. Dazu kommt ein von den Musikschulen geschätzter Mehrbedarf von 88 Vollzeitstellen durch Ausbau und Erweiterung des EMP-Angebotes.
EMP-Lehrkräfte arbeiten in der Regel nicht in Vollzeit. Entsprechend mehr Personen werden an den Musikschulen gebraucht. Die Hochschulabsolvent:innen mit EMP-Qualifikationkönnen den Bedarf nicht decken. Zudem bewerben sich bei weitem nicht alle Berufsanfänger:innen an einer Musikschule. EMP-Lehrkräfte sind in der Regel sehr gut Qualifiziert (EMP-Hauptfachstudium oder instrumentales Hauptfach mit EMP-Profil) und gut ¾ der Lehrkräfte ist fest angestellt.
Gute Erfahrungen wurden mit Hospitationsmöglichkeiten in der EMP und Mentoring von interessierten Instrumentalkolleg:innen durch erfahrenene EMP-Lehrkräfte gemacht. Verstärkte Zusammenarbeit mit den Hochschulen, um Praktikumsplätze in der EMP auch über längere Zeit einrichten zu können. Als schwierig stellten sich die Besetzung von Vollzeitstellen, die schlechte Vergütung, die Abwanderung der Kolleg:innen an die Grundschulen, das mangelnde kollegiale Engagement der Lehrkräfte mit nur wenigen EMP-Stunden und die zeitliche Beanspruchung der Kolleg:innen, die fachübergreifend arbeiten, z.B. durch Mehrfachkonferenzen.
Zusammenhangstätigkeitenund Anrechnungszeiten
Da die Vergütung von Zusammenhangstätigkeiten an den Musikschulen sehr unterschiedlich ausfällt, wurde zur allgemeinen Orientierung eine TaskCard erstellt, die eine anonyme Übersicht der unterschiedlichen Modelle ermöglicht. Den Link dazu gibt der LVdM (Lotta Donner) bei Bedarf gerne weiter.
Verändertes Setting in den Eltern-Kind Gruppen
Viele Fachbereiche melden ein verändertes Verhalten von Kindern und Eltern, als Nachwirkung von Corona oder aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Einige Selbstverständlichkeiten können nichtmehr vorausgesetzt werden. Eltern nehmen zum Teil ihren Erziehungsauftrag nicht wahr, Kinder scheinen ängstler oder überdrehter, die Erwartungen an die Lehrkräfte sind unverhältnismäßig, bei wenig Eigenengagement der Eltern. Eine gute Vorabplanung und Kommunikation vor Beginn der Kurse können die Situationent schärfen, z.B. durch Flyer mit klaren Verhaltensregeln für die Eltern (keine Handynutzung zur Zerstreuung während der Stunden, Absage bei Verhinderung, Betreuung der älteren Geschwister sicherstellen, Aufgaben der Lehrkraft usw.)

 

Archiv:

Bericht 1. Fachleitungstreffen 7. Oktober 2021

Bericht Fachleitungstreffen 06. April 2022

Bericht Fachleitungstreffen 19. Oktober 2022

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Workshop „Jazz und Swing in der Kita“

Am 19. September 2022 fand an der Bergischen Musikschule in Wuppertal der Workshop „Jazz und Swing in der Kita“ mit 20 Teilnehmenden aus Musikschule und Hochschule statt. Die Dozentin Janika Löttgen präsentierte mit vielerlei Spielideen zu selbst komponierten jazzigen Kinderliedern, ausgesuchten Jazz- Stücken und Anleitungen zu Improvisationen eine Fülle von Möglichkeiten, Jazz in der EMP einzusetzen und niederschwellig zu Musizieren.

Die swingenden Lieder „Hallo liebe Leute“ und „Musikexpress“ bringen schnell in Bewegung, der umgedichtete Jazz- Standard Byebye, Blackbird („In der Mitte sitzt ein Bär“) bietet eine Spielidee zum besonderen Hinhören. Das unverzichtbare- auseinandergebaute- Drumset wird spontan improvisierend erkundet. Über ein einfaches Harmoniebegleitpattern (II-V-I- Verbindung) wird geflüstert und zum Thema Regentropfen auf Klangstäben improvisiert.

Eine Bewegungsimprovisation zu „Bridges“ von Nils Wülker und eine Stimmbildungsgeschichte mit eingebauten jazzigen Gesangspatterns bieten weiteres Spielmaterial.

Eine interessante Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Jazz und Notation ist das Malen von kurzen und langen Klängen oder dem „versteckten Feuerwerk“ im Stück „Ding Dong Ding“ von Bob Brookmeyer.

Für die Teilnehmenden steht eine TaskCard mit Liedern, Videos, und Links zu den verwendeten Stücken zur Verfügung. Falls Interesse am Jazz Kinderliederbuch besteht, so kann dieses bei Janika Löttgen bestellt werden. (https://www.janika-loettgen.de/) Das Buch erscheint im Selbstverlag.

 

 

Workshop „inklusives Arbeiten mit heterogenen Kitagruppen“

Am 2.6.2022 mit Lena Sokoll

Die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops formulierten zu Beginn klare Wünsche. Gesucht wurden Praxistipps und Ideen für die Arbeit mit sehr unterschiedlichen Gruppen, Möglichkeiten zur Plusförderung von Kindern mit Einschränkungen, der Umgang mit Sprachbarrieren. Vor allem der Umgang mit schwierigen Situationen und der Anspruch, möglichst alle Kinder mit dem musikalischen Angebot zu erreichen, bewegte die Runde. Nach einer kurzen Einführung zum Wert von Ritualen als alltägliche Sicherheiten für die Kinder, beschäftigen sich die Teilnehmenden mit kleinen ritualisierten Liedern in unterschiedlichen Alltagssituationen, beispielsweise zur Gestaltung von Übergängen wie An- und Ausziehen, Händewaschen, Raumwechsel, Aufräumen usw. Damit auch das Kita-Fachpersonal diese Rituallieder leicht mit übernehmen kann, bieten sich einfache Tonfolgen oder umgedichtete bekannte Melodien an.

Materialen wie -große- Murmeln sprechen alle Sinne an und können vielseitig eingesetzt werden. Die Bewegungs- und anschließenden Ruhephasen der Murmel kann mit Stimme, Körper oder/ und mit einem Lied begleitet werden. Murmeln in Verbindung mit Instrumenten, z.B. mit einer Handtrommel (in der Trommel rollen lassen) oder einem Xylophon (schräg stellen und herunterrollen lassen) laden dazu ein, zu lauschen und zu beobachten. Für Kinder mit Einschränkungen eine vielseitige Herausforderung. Auch diejenigen Kinder, denen das Zuhören und Beobachten schnell langweilig wird, sind eingeladen, eigene Ideen zu entwickeln, z.B. das begleitende Lied weiter zu dichten oder neue Bewegungen zu erfinden. Ein kleines Lied, das mit bunten Plastikbechern -als Minitrommel- begleitet wird, nimmt Ideen aus der Explorationsphase der Kinder auf und ist so aufgebaut, dass sowohl der Becher als auch die Kinder nach einer aktiven Phase immer wieder zur Ruhe kommen.

In diesem Zusammenhang stellte sich immer wieder die Frage nach dem Umgang mit auffälligen Kindern. (Was mache ich, wenn die Gruppe meine Angebote nicht annimmt?) Im Austausch mit den vielen erfahrenen Lehrkräften konnten einige Tipps erarbeitet werden, wie z.B. den Kindern/ der Gruppe möglichst viel Eigenverantwortung für das Gelingen einer Aufgabe übertragen, Ideen der Kinder einbinden, klare Regeln aufstellen und konsequent einhalten, Wertschätzung innerhalb der Gruppe fördern und Ähnliches.

Im weiteren Verlauf erstellten die Teilnehmenden eine Synopse mit allen Anforderungen einer heterogenen Gruppe, angefangen vom musikalischen „Auftrag“ über die eigene Einstellung, Unterschiede und Gemeinsamkeiten einer heterogenen Kitagruppe, bis zu Themen der kindlichen Entwicklung und den Zielen der Arbeit mit der betreffenden Gruppe.

Die so entstandene Gegenüberstellung zeigt deutlich, wie komplex die Arbeit mit heterogenen Gruppen ist. EMP Lehrkräfte bieten mit den musikalischen Angeboten nachhaltige Beschäftigung mit vielfältigen musikalischen Themen, unterstützen die kindliche Entwicklung gleichzeitig auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Altersstufen, fördern einzelne Kinder mit Unterstützungsbedarf und bieten vor allem eines an: Beziehung! Die Offenheit, Flexibilität, um sich auf die Bedürfnisse jeder einzelnen Gruppe einzulassen, braucht Zeit und die Möglichkeit ohne ständigen Erwartungsdruck, auch kleinste Schritte als Erfolg zu verbuchen. Der Anspruch, immer alle Kinder mit einem musikalischen Angebot ansprechen zu wollen, Erwartungen von Eltern, Musikschulleitung und Kollegium erfüllen zu müssen oder nicht genug zeitliche Ressourcen zu haben, kann das zeitweise verhindern.

In der abschließenden Feed-Backrunde wurde deutlich zum Ausdruck gebracht, wie wichtig allen die weitere Beschäftigung mit dem Thema der Arbeit mit heterogenen Gruppen ist. Viele Teilnehmende erlebten eine besondere Wertschätzung ihrer Arbeit im Rahmen des Austausches. Eine weitere Veranstaltung mit diesem Schwerpunkt und unterschiedlichen Impulsen wurde dringend gewünscht.

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